1. Was ist ein Schlaganfall?
Ein Schlaganfall (fachsprachlich „Apoplex“ oder „zerebrovaskulärer Insult“) ist immer ein medizinischer Notfall. Jeder Moment zählt – daher bei Verdacht sofort die „112“ wählen!
Ein Schlaganfall entsteht, wenn die Blutversorgung eines oder mehrerer Hirnareale unterbrochen oder stark vermindert ist. Ohne ausreichende Zufuhr von Sauerstoff und Nährstoffen kommt es zu Funktionsausfällen in den betroffenen Gehirnregionen. Ausmaß und Art der Symptome richten sich danach, welches Gefäß betroffen ist und wie groß das betroffene Areal ist.
2. Formen des Schlaganfalls
- Ischämischer Schlaganfall
- Häufigste Form (etwa 85 % aller Fälle).
- Ursache: Verschluss eines Hirngefäßes durch Thrombus oder Embolie.
- Folge: Minderdurchblutung bis vollständiger Gefäßverschluss und Gewebeuntergang.
- Hämorrhagischer Schlaganfall
- Etwa 15 % aller Schlaganfälle.
- Ursache: Blutung ins Hirngewebe oder in den Subarachnoidalraum (z. B. infolge Aneurysma oder Bluthochdruckes).
- Folge: Druckschädigung des umliegenden Gewebes durch ausgetretenes Blut.
Hinweis: Unabhängig von der Form können bei gleichen Arealen dieselben Symptome auftreten.
3. Typische Warnzeichen
- Einseitige Schwäche, Lähmung oder Taubheitsgefühl
- Hängender Mundwinkel, halb geöffnete Augenlider
- Absinken eines Armes (Armdrift) oder vollständige Lähmung einer Körperseite
- Bei Lähmung aller vier Extremitäten (Tetraparese) deutet dies auf einen Befall des Hirnstamms (z. B. Basilarisverschluss) hin
- Sehstörungen
- Doppeltsehen (Diplopie)
- Halbseitiger Gesichtsfeldausfall (Hemianopsie)
- Verschwommenes Sehen oder plötzlicher Sehverlust eines Auges
- Sprachstörungen
- Wortfindungsstörungen bis hin zur Unfähigkeit, verständliche Sätze zu bilden (Aphasie)
- Starke Kopfschmerzen & Schwindel
- Neu aufgetretene, ungewohnte und heftige Kopfschmerzen
- Schwindel mit Gangunsicherheit („Schwanken wie auf rauer See“)
- Gefühl, als falle man unkontrolliert in die Tiefe
4. Schnelltest durch eine zweite Person: der FAST-Test
Wenn Sie eine hilfsbedürftige Person beobachten, führen Sie den FAST-Test durch. Kann die betroffene Person selbst noch sprechen und reagiert sie auf den Notruf, wählen Sie parallel sofort die „112“.
- F – Face (Gesicht)
- Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt eine Gesichtshälfte herab oder bewegt sich nicht gleichmäßig?
- A – Arms (Arme)
- Lassen Sie beide Arme mit nach oben gedrehten Handflächen ausgestreckt. Unterstützen Sie die Arme, und lassen Sie dann los. Sinkt ein Arm ab oder kann er nicht gehalten werden?
- S – Speech (Sprache)
- Bitten Sie um einen einfachen Satz, z. B. „Nennen Sie bitte Ihren vollständigen Namen.“ Ist die Aussprache verwaschen, unverständlich oder fehlen Wörter?
- T – Time (Zeit)
- Beobachten Sie die Durchführung. Zögern die betroffene Person stark oder zeigt sie Probleme beim Verstehen oder Ausführen? Dann umgehend die „112“ anrufen!
Wichtig: Jeder Hinweis auf einen Schlaganfall ist ernst zu nehmen. Zögern Sie nicht und wählen Sie sofort „112“, denn eine rasche Behandlung (z. B. mit Lysetherapie oder endovaskulärer Intervention) kann das Ausmaß der bleibenden Schäden deutlich verringern.