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    Thrombose

    • Sven Kamann
    • July 11, 2025 at 12:10 PM
    • September 4, 2025 at 9:46 AM
    • 1,040 times viewed
    • 4 Minutes
    • Bildung eines Blutgerinnsels in einem Gefäß, das den Blutfluss behindert oder blockiert und Komplikationen wie Lungenembolie verursachen kann. Eine frühzeitige Erkennung ist entscheidend, um Folgen zu vermeiden.

      1. Definition

      Unter einer Thrombose versteht man die Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombus) innerhalb eines Blutgefäßes. Der Thrombus kann den Blutstrom entweder teilweise oder vollständig blockieren. Der Begriff stammt aus dem Griechischen („θρόμβος“) und bedeutet Klumpen oder Pfropf. Sowohl venöse als auch arterielle Gefäße können betroffen sein. Löst sich ein Thrombus und wird mit dem Blutstrom weitertransportiert, kann dies zu einer Embolie führen und lebensbedrohliche Komplikationen wie eine Lungenembolie oder einen Schlaganfall verursachen.


      2. Formen der Thrombose

      • Venöse Thrombosen: Am häufigsten tiefe Venenthrombose (TVT) der Bein- und Beckenvenen, oberflächliche Venenthrombose (Thrombophlebitis). Auch Armvenenthrombosen oder Hirnvenenthrombosen.
      • Arterielle Thrombosen: Entstehen meist durch Arteriosklerose, betreffen oft Koronararterien (Herzinfarkt) oder Hirnarterien (Schlaganfall).
      • Sonderformen: Pfortaderthrombosen, Sinusvenenthrombosen oder Analthrombosen.

      3. Pathophysiologie

      Die Entstehung einer Thrombose wird durch die Virchow-Trias beschrieben:

      1. Endothelschädigung (z. B. Gefäßverletzungen, Entzündungen, Ablagerungen)
      2. Verlangsamter Blutfluss (z. B. Immobilität, Ruhigstellung, lange Reisen, Varikosis)
      3. Veränderte Blutzusammensetzung (z. B. genetische Gerinnungsstörungen, Tumorerkrankungen, hormonelle Einflüsse)

      4. Epidemiologie

      • Jährlich erkrankt etwa 1 von 1.000 Einwohnern in Deutschland an einer symptomatischen Thrombose.
      • Inzidenz: 1–2 pro 1.000 Personen pro Jahr.
      • Ca. 70 % aller Thrombosen treten nach dem 60. Lebensjahr auf.
      • Frauen im jungen Erwachsenenalter haben ein bis zu dreifach höheres Risiko als Männer; im Alter gleicht es sich an.
      • Lebenszeitprävalenz einer venösen Thromboembolie: 3–5 %.
      • Faktor-V-Leiden-Mutation ist ein häufiger genetischer Risikofaktor.
      • Weitere Risikofaktoren: frühere Thrombosen, Krebs, Herzinsuffizienz, Übergewicht, Bewegungsmangel.
      • Dunkelziffer asymptomatischer Thrombosen ist hoch.
      • Sonderfall: Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS) nach seltenen Vektorimpfstoffen gegen COVID-19.

      5. Risikofaktoren

      • Alter > 60 Jahre
      • Frühere Venenthrombosen
      • Angeborene oder erworbene Gerinnungsstörungen
      • Tumorerkrankungen
      • Immobilität, Bettlägerigkeit, lange Reisen
      • Adipositas
      • Hormonelle Faktoren (Antikonzeption, Hormonersatztherapie)
      • Schwangerschaft, Wochenbett
      • Rauchen

      6. Symptome

      6.1. Venöse Thrombosen

      • Einseitige Schwellung einer Extremität
      • Spannungs- oder Druckgefühl
      • Überwärmung, Rötung
      • Bläuliche Verfärbung
      • Sichtbare Warnvenen (erweiterte oberflächliche Venen)
      • Druckschmerzen (Meyer-, Homans-, Payr-Zeichen)

      6.2. Arterielle Thrombosen

      • Plötzlich auftretende starke Schmerzen
      • Blässe, Kältegefühl
      • Fehlender Puls distal der Thrombose
      • Neurologische Ausfälle bei zerebraler Beteiligung

      6.3. Komplikationen

      Unbehandelt: Lungenembolie, postthrombotisches Syndrom (chronische venöse Insuffizienz mit Ödemen, Ulcera cruris).


      7. Diagnostik

      7.1. Klinische Untersuchung und Anamnese

      Anamnese (Risikofaktoren, Beschwerden, Immobilität, OPs) + Untersuchung (Umfangsdifferenzen, Haut, Druckschmerz).
      Wells-Score dient zur Einschätzung der Wahrscheinlichkeit (niedrig, mittel, hoch).

      7.2. D-Dimere-Test

      Ausschluss bei niedrigem Risiko, jedoch unspezifisch (erhöht bei Infekten, Schwangerschaft, OP).

      7.3. Duplexsonografie

      Standardverfahren, prüft Komprimierbarkeit der Venen und Blutfluss. Schmerzfrei, nicht-invasiv.

      7.4. CT-Angiografie

      Bei Verdacht auf Lungenembolie: Darstellung der Lungenarterien mit Kontrastmittel.


      8. Verlauf / Stadien

      Thrombosen können akut, chronisch oder schubweise verlaufen. Stadien richten sich nach Lokalisation und Ausprägung (z. B. TVT mit/ohne Lungenembolie). Langzeitfolgen können ein postthrombotisches Syndrom sein.


      9. Behandlung

      • Antikoagulation: Heparine initial, später DOAK/NOAK oder Vitamin-K-Antagonisten; Dauer meist 3–12 Monate.
      • Kompressionstherapie: Medizinische Kompressionsstrümpfe.
      • Mobilisation: Frühe Mobilisierung empfohlen, Bettruhe obsolet.
      • Operative Verfahren: Thrombektomie nur bei ausgedehnten Verschlüssen.

      10. Prophylaxe

      Die Thromboseprophylaxe umfasst alle Maßnahmen, die eine Gerinnselbildung verhindern. In der Pflege spricht man von den drei Säulen:

      • Mobilisation fördern
      • Kompression anwenden
      • Medikamentöse Vorbeugung (nach ärztlicher Anordnung)

      10.1. Allgemeine Maßnahmen bei Erwachsenen und älteren Menschen

      • Frühmobilisation nach Operationen oder längerer Bettlägerigkeit
      • Regelmäßige Bewegung: Gehübungen, Beine bewegen im Sitzen/Liegen
      • Passive Bewegungsübungen bei Immobilität
      • Hochlagerung der Beine (falls erlaubt)
      • Venengymnastik (z. B. „Fußpumpe“)
      • Atemübungen (tiefe Atemzüge fördern Rückstrom zum Herzen)
      • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (falls keine Einschränkung)

      10.2. Kompressionstherapie

      • Kompressionsstrümpfe/-verbände nach Anordnung
      • Sitz und Wirkung regelmäßig kontrollieren
      • Haut täglich prüfen (Druckstellen, Durchblutung, Veränderungen)

      10.3. Medikamentöse Prophylaxe

      • Antikoagulanzien nach ärztlicher Verordnung (z. B. Heparin, orale Präparate)
      • Auf Nebenwirkungen achten (Blutungsneigung, Hämatome)

      10.4. Pflegerische Beobachtungskriterien

      • Schwellung, Rötung oder Überwärmung an den Beinen
      • Spannungsgefühl oder Schmerzen, besonders in der Wade
      • Umfangsdifferenz zwischen den Beinen
      • Auffälligkeiten sofort ärztlich melden

      10.5. Spezifische Hinweise für die Alten- und Krankenpflege

      • Risikopatienten erkennen (Bettlägerige, frisch Operierte, Gips, Tumoren, ältere und übergewichtige Menschen)
      • Bewegung und Umlagerung aktiv fördern und dokumentieren
      • Patienten und Angehörige über Prophylaxe aufklären
      • Maßnahmen und Beobachtungen sorgfältig dokumentieren

      10.6. Merkpunkte für Auszubildende

      • Thrombose = Blutgerinnsel → kann zu Lungenembolie, Herzinfarkt, Schlaganfall führen
      • Wichtigste Prophylaxe: Mobilisation, Kompression, Medikamente
      • Bei Bettlägerigkeit: tägliche Bewegungsübungen anleiten oder durchführen
      • Warnzeichen beachten: Schwellung, Rötung, Überwärmung, Wadenschmerz
      • Verdacht → sofort Arzt informieren
      • Dokumentation nicht vergessen

      11. Prognose

      Unbehandelte Thrombosen können Rezidive und Komplikationen verursachen. Schwere Folge: Lungenembolie. Langzeitfolgen: chronische venöse Insuffizienz, postthrombotisches Syndrom. Frühzeitige Diagnose + Therapie verbessern Prognose erheblich.


      12. Pflegeaspekte

      12.1. Vollstationäre Pflege

      • Regelmäßige Beobachtung der Extremitäten
      • Fachgerechtes Anlegen von Kompressionsstrümpfen
      • Unterstützung bei Bewegungsübungen
      • Lagerungstechniken zur Druckentlastung
      • Schulung des Personals zu Risikofaktoren/Warnzeichen

      12.2. Ambulante Pflege

      • Anleitung zur Kompressionstherapie
      • Überwachung der Antikoagulation, Blutungszeichen
      • Beratung zu Venengymnastik und Bewegung

      12.3. Pflege durch Angehörige

      • Warnzeichen erkennen (Schwellung, Verfärbung, Druckschmerz)
      • Unterstützung beim Anlegen von Kompressionsstrümpfen
      • Mobilität fördern
      • Frühzeitige Arztkontakte bei Auffälligkeiten

      13. Nachsorge und Übergang

      Nach Krankenhausaufenthalt: strukturierter Behandlungsplan für Antikoagulanzien, Kompression, Bewegung. Angehörige und Pflegepersonal sollen Kompressionsstrümpfe kontrollieren, Haut inspizieren, Medikation überwachen und Mobilisation fördern.


      14. Notfallhinweis

      Thrombose kann akuter Notfall werden (Lungenembolie, Schlaganfall). Warnzeichen: plötzliche Atemnot, Brustschmerzen, Husten mit Blut, starke Beinschmerzen oder Lähmungen. Sofort Notruf 112 wählen.


      Weiterführende Literaturhinweise

      PSG
      • Deutsche Gesellschaft für Phlebologie e.V. (DGP); Patienteninformation Venenthrombose.
      • Leitlinie Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und Lungenembolie (AWMF 065-002).
      • Leitlinie Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE) - (AWMF 003-001).
      • Deutsche Herzstiftung – Lungenembolie.
      • Apotheken Umschau – Thrombose: Ursachen, Therapien und Vorbeugung.
      • Leitlinie Akuttherapie des ischämischen Hirninfarktes (AWMF 030-046).
      • Heit JA. Epidemiology of venous thromboembolism. Nat Rev Cardiol. 2015.
      • North American Thrombosis Forum (NATF). Patientenressourcen.
      • Paul-Ehrlich-Institut: COVID-19 Sicherheitsbericht (Stand 31.08.2021).
      • BZgA: Suchportal Thrombose (gesundheitsinformation.de).
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    Table of Contents

    • 1. Definition
    • 2. Formen der Thrombose
    • 3. Pathophysiologie
    • 4. Epidemiologie
    • 5. Risikofaktoren
    • 6. Symptome
      • 6.1. Venöse Thrombosen
      • 6.2. Arterielle Thrombosen
      • 6.3. Komplikationen
    • 7. Diagnostik
      • 7.1. Klinische Untersuchung und Anamnese
      • 7.2. D-Dimere-Test
      • 7.3. Duplexsonografie
      • 7.4. CT-Angiografie
    • 8. Verlauf / Stadien
    • 9. Behandlung
    • 10. Prophylaxe
      • 10.1. Allgemeine Maßnahmen bei Erwachsenen und älteren Menschen
      • 10.2. Kompressionstherapie
      • 10.3. Medikamentöse Prophylaxe
      • 10.4. Pflegerische Beobachtungskriterien
      • 10.5. Spezifische Hinweise für die Alten- und Krankenpflege
      • 10.6. Merkpunkte für Auszubildende
    • 11. Prognose
    • 12. Pflegeaspekte
      • 12.1. Vollstationäre Pflege
      • 12.2. Ambulante Pflege
      • 12.3. Pflege durch Angehörige
    • 13. Nachsorge und Übergang
    • 14. Notfallhinweis

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