1. Die menschliche Haut – Aufbau und Funktionen
Die menschliche Haut ist das größte Organ des Körpers und erfüllt zahlreiche essentielle Aufgaben: Schutz vor äußeren Einflüssen, Regulation des Temperatur- und Wasserhaushalts, Sinnesfunktion sowie Stoff- und Energiespeicherung.
1.1. Aufgaben der Haut
- Barrierefunktion: Abgrenzung von Innen- und Außenwelt, Verhinderung von Flüssigkeitsverlust und Eindringen schädlicher Stoffe und Mikroorganismen.
- Sensorische Funktion: Wahrnehmung von Druck-, Temperatur- und Schmerzreizen über spezialisierte Rezeptoren.
- Stoffwechselfunktion: Speicherung von Fett in der Subkutis und Synthese von Vitamin D in der Epidermis.
- Thermoregulation: Vasokonstriktion/Vasodilatation der Hautgefäße und Schweißsekretion zur Temperaturkontrolle.
- UV-Schutz: Melanin in den Melanozyten absorbiert schädliche UV-Strahlung.
1.2. Hautschichten
- Epidermis (Oberhaut): Mehrschichtiges Plattenepithel mit Melanozyten, Langerhans-Zellen und Keratinozyten.
- Dermis (Lederhaut): Papillarschicht (lockeres Bindegewebe) und Retikularschicht (straffes Bindegewebe) mit Blutgefäßen, Nerven und Hautanhangsgebilden.
- Subkutis (Unterhaut): Lockeres Bindegewebe mit Adipozyten als Energiespeicher und Polster.
1.3. Hautarten
- Leistenhaut: Vorkommen an Handflächen und Fußsohlen, ohne Haare und Talgdrüsen; viele Schweißdrüsen und Druckrezeptoren mit charakteristischen Leistenmustern.
- Felderhaut: Deckt den restlichen Körper ab, enthält Haare, Talg- und Schweißdrüsen sowie eine geringere Rezeptordichte.
1.4. Hauttypen nach Eigenschaften
- Fettige Haut: Vermehrte Talg- und Schweißproduktion, grobporige Struktur, neigt zu Unreinheiten.
- Trockene Haut: Dünnere Epidermis, verminderte Lipidbarriere, spröde und schuppig.
- Mischhaut: Kombination aus fettiger T-Zone (Stirn, Nase, Kinn) und trockenen Wangen.
- Empfindliche Haut: Gestörte Barrierefunktion, niedrige Reizschwelle für Brennen und Rötungen.
1.5. Physiologische Aspekte der Hautfarbe
- Melanin: Pigment in der Epidermis, gebildet von Melanozyten; Menge und Typ (Eumelanin vs. Pheomelanin) genetisch gesteuert.
- Karotin: Gelblich-orange Pigmente in Dermis und Subkutis.
- Hämoglobin: Blutfarbträger in Kapillaren der Dermis, beeinflusst Rötung und Blässe.
1.6. Abweichungen der Hautfarbe
- Hyperämie (Rötung): Durch Vasodilatation, physiologisch (Sport, Hitze) oder pathologisch (Entzündungen, Fieber).
- Hypoämie (Blässe): Durch Vasokonstriktion, physiologisch (Kälte, Schreck) oder pathologisch (Schock, Anämie).
- Ikterus (Gelbfärbung): Ablagerung von Bilirubin, bei Neugeborenen oft physiologisch, bei Erwachsenen pathologisch.
- Zyanose (Blaufärbung): Mangelnde Sauerstoffsättigung, zentrale vs. periphere Formen.
1.7. Pigmentveränderungen
- Albinismus: Angeborener vollständiger oder partieller Melaninmangel.
- Vitiligo: Autoimmune Zerstörung von Melanozyten, scharf begrenzte depigmentierte Flecken.
- Hyperpigmentierung: Morbus Addison (Bronzefärbung), Naevi (Muttermale mit potentiell maligner Transformation).
1.8. Hautturgor
Der Hautturgor beschreibt Spannung und Elastizität der Haut, überprüfbar z. B. am Handrücken:
- Erniedrigt: Bei Dehydratation bleibt die Haut gefaltet und glättet sich nur langsam.
- Erhöht: Bei Ödemen verbleibt eine Druckdelle und verschwindet verzögert.